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KSA – Finale

In den letzten Tagen habe ich mehrfach darüber nachgegrübelt, ob man am Finale teilnehmen darf, wenn man nichts Fertiges vorzuweisen hat. Catherine lädt ja heute gestern auf dem MMM-Blog zum finalen Treffen aller Kostüm-Näherinnen. Ihre Aussage „Egal, ob ihr heute ein fertiges Kostüm zeigt, oder nicht.“ habe ich jetzt einfach zu meinen Gunsten interpretiert. Außerdem konnte ich feststellen, dass auch andere Teilnehmerinnen noch nicht ganz fertig geworden sind. (Allerdings konnte ich niemanden entdecken, der so weit abgefallen ist wie ich.) Ich hatte ja bereits das letzte Treffen komplett geschwänzt, weil ich einfach nichts zu zeigen hatte, aber ich wollte auch nicht einfach sang- und klanglos aus dem Sew-Along verschwinden. Auch habe ich noch nicht aufgegeben – im Gegenteil: Ich bin wild entschlossen meine Lightversion eines Kostümes zu Ende zu bringen und im nächsten Sommer zu tragen. Deswegen gibt es hier und heute an dieser Stelle für mich leider noch kein Finale, sondern einfach nur den Stand der Dinge.

Zur Erinnerung: Ich hatte ein Probeteil meiner Jacke genäht und dabei festgestellt, dass die Passform nicht stimmt. Meine Überlegungen, wie ich den Schnitt wohl anpassen könnte, haben mehrere Wochen lang meine ganze Näh-Energie abgezogen und mich außerdem, da sie zu keinem Ergebnis führten, deprimiert. Die Lösung lag eigentlich auf der Hand, fiel mir dennoch erst ziemlich spät ein: Ich mußte einfach professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dies tat ich dann auch letzte Woche und siehe da: Es stellte sich heraus, dass die Änderungen, die ich bis dahin selbst am Schnittmuster vorgenommen hatte, gar nicht verkehrt – nein, sogar richtig gewesen waren. Unter Anleitung nähte ich ein zweites Probeteil aus Nesselstoff, an dem meine professionelle Hilfe dann noch einiges absteckte. Und das ist auch schon der Stand der Dinge und sieht – ungebügelt – so aus:

Nesseljacke1 Nesseljacke2

Von vorne schon deutlich besser, wie ich finde, hinten noch ganz schön murksig, was aber hoffentlich an ungebügelt und in der Mitte abgesteckt liegt. Meine Schneiderin sagt, dass wir die Passform aufgrund des Schnittes (fledermausartige Ärmel, für die es keine extra Schnittteil gibt, sondern die im Vorder- bzw. Rückenteil enthalten sind) nicht besser hinkriegen und ich glaube ihr das jetzt einfach mal. (Bin aber durchaus daran interessiert, wenn jemand anderer Meinung ist.)

Ich muss jetzt als nächstet die abgesteckten Änderungen noch auf das Schnittmuster übertragen. Außerdem ist ausgemacht, dass ich auch vom Oberteil des Kleides noch ein Probeteil nähe, damit auch dieses professionell begutachtet werden kann.

Auch wenn ich also noch kein fertiges Ergebnis und stattdessen noch einiges an Arbeit vor mir habe, finde ich doch, dass sich meine Teilnahme am Sew-Along gelohnt hat. Ohne den (das? wie heißt es denn eigentlich richtig?) KSA hätte ich das Projekt sicher noch gar nicht in Angriff genommen. Auch die Entstehung meines Blogs verdanke ich dem KSA. Ich habe einiges dazu gelernt – in erster Linie über Schnittanpassung. Und ich habe gesehen, dass ich, auch wenn ich noch sehr viel lernen muss, doch schon eine gewisse Routine beim Nähen entwickelt habe. Das Gefühl, mich gaaaaaaanz langsam aus der Anfänger-Ecke weg in Richtung „mäßig fortgeschritten“ zu bewegen erfüllt mich mit einer gewissen Befriedigung. Deswegen an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Catherine fürs Organisieren des Sew-Alongs und dafür, dass sie uns Teilnehmern immer wieder Mut zugesprochen hat. Ganz sicher, was dies nicht mein letzter Sew-Along. Über die Fortschritte mit meinem Kostüm werde ich Euch hier im Blog auf dem laufenden halten.

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Kostüm Sew-Along 2: Die Probejacke und die Passform

So – Bügeleisen und Nähmaschine sind zwar noch warm, aber ausgeschaltet und ich kann es mir endlich mit einem Glas Wein vor dem Rechner gemütlich machen. Unbedingt wollte ich zu diesem zweiten Termin das Probeexemplar meiner Jacke komplett fertig haben, deswegen bin ich wieder mal sehr spät dran und konnte leider keine Tageslichtfotos mehr machen.

Eine Probejacke wollte ich, um auf Nummer sicher zu gehen. Sowohl was die Passform betrifft als auch das Nähen an sich. So was Anspruchsvolles habe ich, wie gesagt noch nie genäht und es soll ja schon vorgekommen sein, dass ein kleiner, dummer Fehler ein ganzes Projekt arg in Mitleidenschaft gezogen hat..Und ich bin stolz auf mich: Ich habe es geschafft. Die englische Anleitung, in der es zu fast jedem Schritt noch eine erklärende Zeichnung gibt habe ich im Große und Ganzen gut verstanden. An einigen Stellen mußte ich ein wenig länger nachdenken, aber am Ende bin ich immer drauf gekommen. Nur eine Sache ist mir immer noch unklar:

KSA2 Anleitung

Wenn ich es richtig verstehe, sollte ich an dieser Stelle einfach einmal um den Halsauschnitt hermunähen. WARUM? Da sich mir der Sinn nicht erschlossen hat, habe ich es auch nicht gemacht, was ich auch im weiteren Verlauf nicht bereut habe und die Jacke ist auch so fertig geworden. Trotzdem interessiert mich, wozu das gut sein soll und ob ich eventuell etwas entscheidendes übersehen habe.

Außerdem hatte ich ein Problem mit dem Saum: Das Rückenteil wird normal gesäumt, an die Vorderteile kommen Beläge. Am Ende soll an der Unterkante der ausgeklappte Beleg genau so lang sein wie das ungesäumte Rückenteil, so dass man Beides auf gleicher Höhe umklappen und das Rückenteil säumen kann, wenn ich es richtig vertanden habe. (Ich hoffe ich habe das jetzt einigermassen verständlich erklärt.) Bei mir war das Rückenteil aber länger als der ausgeklappte Beleg, so dass ich mehr Saum umschlagen mußte als vorgesehen. Ich bin bis jetzt nicht drauf gekommen, warum das so war. Ansonsten hat alles funktiniert und die Jacke sieht so aus, wie sie aussehen soll. Etwas labbrig vielleicht, aber das liegt daran, dass ich für das Probeteil keine Vlieseinlage verwendet habe.

Tja – und dann ist da noch die Sache mit der Passform und deswegen gibt es jetzt erst mal die Bilder:

KSA2 Passform1 KSA2 Passform2 KSA2 Passform3 KSA2 Passform4

Ich weiß nicht so genau: Das sieht doch so aus, als wäre die Jacke um die Brust zu weit, oder? Oder sieht es nur so aus, weil eigentlich ein zweiter Knopf ran müßte? (Das werde ich bei der „richtigen“ Jacke auf jeden Fall machen.) Und wenn sie zu weit ist, was könnte ich dagegen tun? Ohne das ganze wirklich durchdacht zu haben, habe ich das Gefühl, das jede Änderung, die ich für den Brustumfang vornehme würde auch einen Effekt auf die Ärmel hätte, für die es ja kein eigenes Schnitteil gibt, sondern die im Vorderteil enthalten sind. Um den Bauch passt die Jacke  definitiv.  Auch nicht ganz schlüssig bin ich mir darüber, ob sie nicht vielleicht einen Tick zu kurz ist. Laut Schnittmuster soll der Brust-Punkt (heißt das so auf Deutsch?) über dem Ende des Abnähers liegen, bei mir liegt er aber auf gleicher Höhe. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich den Abnäher eventuell ein wenig zu lange genäht habe. (So sah es zumindest aus, als ich das Schnitteil noch mal mit der fertigen Jacke verglichen habe.) Über all diese Dinge muss ich jetzt erst ein paar Tage nachgrübeln. Vielleicht nähe ich noch einen zweite Knopf an und mache noch mal besser Fotos bei Tageslicht. Über Kommentare, Meinungen und Ratschläge würde ich mich SEHR freuen, denn der Austausch hilft ja of am meisten.

Ich dreh jetzt noch eine späte Runde durch den MMM-Blog, um zu sehen wie die andern Kostüm-Jacken so passen.

Kostüm Sew-Along 1: Stoff und Schnitt

Zu Retro-Kleidern habe ich ein zwiespältiges Verhältnis. Etwas an ihnen fasziniert mich, aber gleichzeitig kommt es selten vor, dass sie mir so richtig gut gefallen. Ich glaube, dass hat oft auch damit zu tun, dass sie mich an Zeiten erinnern, in denen ich als Frau nicht unbedingt hätte leben wollen. Ab und zu begegnet mir dann doch eines, dass mir richtig gut gefällt.  So geschehen, als Catherine auf Ihrem Blog den Sommerkracher zeigte. Auf den Fotos mit Jacke fand ich ihn noch etwas zu retro, im oben beschriebenen Sinn. Aber allerspätestens beim letzen Bild, dem Tragefoto ohne Jacke, war es um mich geschehen. Dieses Kleid wollte ich auch. Der Schnitt war relativ einfach und zu einem moderaten Preis zu bekommen, also ließ ich ihn mir aus USA schicken. Dann wußte ich nicht so recht weiter. Ich habe noch nie ein Kleid (noch nicht einmal einen Rock) für mich selbst genäht. (Noch nicht einmal für die Tochter, wenn ich es mir recht überlege). Ich versuchte verschiedene mentale Annäherungen an das Projekt (Schnittanpassung? Wie? Probestück? Aus welchem Stoff?). Dann rief Catherine zum Kostüm-Sew-Along (KSA) auf, von dem ich erst dachte, dass er nichts mit mir zu tun hat. Ich trage keine Kostüme und ich traue mir auch nicht zu, eines zu nähen. Erst als jemand in den Kommentaren fragte, ob Kleid und Jacke auch als Kostüm gelten, begann es in meinem Kopf zu rattern. Und ich kam zu dem Schluss: Dieses Sew-Along ist meine Chance, dieses Projekt durchzuziehen. Und mein Ehrgeiz ist geweckt: War ich ursprünglich nur an dem Kleid interessiert, habe ich beschlossen im Rahmen des KSA auch die Jacke zu nähen. Ich bin neugierig, wie die ganze Kombi an mir aussieht und ob sich die Jacke vielleicht auch zu etwas anderem kombinieren läßt. Catherine schreibt, der Schnitt ist einfach zu nähen und die ungefütterte Jacke sei ein gutes Übungsstück. Das macht mir Mut (obwohl wir vermutlich unterschiedliche Vorstellungen von „einfach“ haben). Also kein richtiges Kostüm, eine Art Kostüm light, für mich allerdings Herausforderung genug. (Handelt es sich eventuell um ein Jackenkleid? Ganz sicher bin ich mir nicht.) Also der Schnitt: Butterick 5214 von 1947. (Kann man übrigens auch hier, bei Schnitte des Todes noch mal bewundern.)

Und der Stoff: grün geblümte Retrobettwäsche. Das berühmt-berüchtigte Maybachufer ist ja leider ca. 250 km entfernt und ich bin auch noch nie dagewesen, steht aber demnächst mal an. Günstiger Stoff, der auch noch gut aussieht, für den Fall, dass das Projekt gelingt, ist also nicht so einfach zu beschaffen. Deswegen habe ich bei ebay 70er-Jahre Bettwäsche erstanden, zu einem Preis, der einen halbwegs moderaten Meterpreis ergibt. Leider ist die Bettwäsche sehr ungleichmäßig ausgeblichen, deswegen wird das Zuschneiden noch spannend.  Ich hoffe, dass ich es halbwegs hinkriege, eventuell muss der Rock nach unten hin blasser werden. Und für alle, die tapfer bis hierher gelesen haben, kommt jetzt endlich das Foto:

KSA Schnitt und Stoff1

Wenn ich richtig sehe, kann ich mich mit diesem Schnitt auch um die Schulterpolster drücken. Stört mich gar nicht, mit dem Reißverschluss werde ich vermutlich genug zu tun haben.  Knöpfe muss ich noch besorgen. Und ja, ich weiß, dass es sich hierbei nicht um ein herbsttaugliches Kleidungsstück handelt. Das ist mir im Moment aber noch herzlich egal. Denn ehrlich gesagt, übersteigt es meine Vorstellungskraft, dass ich dieses Ding wirklich genäht kriege, dass es mir dann auch tatsächlich passt und dass ich mir darin auch noch gefalle. Sollten am Ende alle drei Dinge eintreffen, kann ich mich immer noch über das falsche Kleidungsstück zur falschen Jahreszeit ärgern. Oder mich auf den nächsten Sommer freuen.

Dass die meisten anderen KSA-Teilnehmerinnen schlauer sind und sich richtige herbsttaugliche Kostüme nähen wollen, könnt Ihr hier nachlesen.