Archiv für den Monat November 2013

Weihnachtskleid Sew Along 1

Ich werde den WKSA vielleicht nicht vollbringen.

Aber versuchen will ich ihn.

(frei nach Rilke)

Nach meinen  – doch ein wenig frustrierenden – Erfahrungen beim KSA (siehe z. B. hier), war ich unentschlossen, ob ich tatsächlich noch beim gemeinsamen Weihnachtskleider-Nähen auf dem MMM-Blog mitmachen wollte.  Lust habe ich schon, aber eben auch Zweifel: Werde/Kann ich es schaffen? Mit meinem Kostüm-Projekt bin ich ja auch noch keinen Schritt weiter. Nach dem oben genannten Motto, habe ich jetzt aber beschlossen: Ich will es wenigstens probieren. Der Plan ist, was möglichst einfaches ohne große Hürden zu nähen. Außerdem will ich erst mal nur mit Schnitten und Stoffen aus dem Vorrat arbeiten. (In zwei Wochen habe ich einen Termin in der Hauptstadt. Was das bedeutet kann sich vermutlich jedeR NähblogleserIn denken…)

Daraus ergeben sich folgende Möglichkeiten:

WKSA1Hemdblusenkleid

Schon seit längerem träume ich von einem Hemdblusenkleid. Diesen Schnitt aus der Burda easy fashion (Frühjahr/Sommer 2007) entdeckte ich bei Nastjusha, man kann ihn hier und hier bewundern. Erstaunlicherweise gelang es mir schnell und unkompliziert, das Heft aufzutreiben (so was interpretiere ich dann immer als „der Schnitte sollte zu mir kommen“).  Zwei Stoffe – sogar mit Weihnachtlichen Motiven – gäbe es auch. Allerdings gibt es auch mit beiden Stoffen ein Problem: In den roten Stoff mit den Rentieren bin ich richtig verliebt, er soll auf jeden Fall ein Kleid werden, aber eines von dem ich vorher weiß, dass es paßt und dass ich es nähen kann. Damit scheidet er für das Weihnachtskleidprojekt aus, denn ich habe keinen Kleiderschnitt auf den diese Kriterien zutreffen. Der braune Stoff mit den hellen Engeln war in einem Stoffpaket, das ich mal ersteigert habe. Ich dachte eine ganze Weile, dass es der ideale Stoff für eine erste Version des Hemdblusenkleids.  Allerdings gibt es davon drei nicht besonders große Stücke, die – bei realistischer Betrachtung – kaum für das ganze Kleid reichen werden. Einen passenden Stoff zum kombinieren gibt es nicht im Lager und neuen kaufen will ich ja eigentlich nicht. Alternativ könnte ich ein Bluse daraus nähen. Diese Idee gefällt mir zu Zeit ganz gut.

Wickelkleid

Die zweite und wahrscheinlich einfachste Möglichkeit wäre mir das Onion 2014 Wickelkleid zu nähen. Der Schnitt ist vermutlich einfach zu nähen und Jersey ist ja, was die Passform betrifft das unkompliziertere Material. Hier ist auch Stoff in ausreichender Menge vorhanden. Ich würde eine erste Version aus dem blauen Stoff nähen, um zu sehen, wie es geht und ob es an der Passform doch noch etwas zu verbessern gibt. Mein eigentlicher Traumkandidat für den Schnitt ist aber der wilde Blumenstoff aus Schweden. Der hat allerding leider auch ein paar kleine Löcher, weswegen es beim Zuschneiden noch Probleme geben könnte. Dumm nur, dass mich die einfachsten Möglichkeiten nur sehr selten reizen…

WKSA1Multisnit

Dieser Kleiderschnitt aus meinem Fundus finde ich auch noch ganz schick, aber ich konnte keinen passenden Stoff dafür finden.

Im Moment tendiere ich dazu, eine Bluse aus dem Engelstoff zu nähen. Sollte sich bis zu meinem Berlin-Besuch abzeichnen, dass das etwas werden könnte, würde ich mir erlauben, dort nach einem passenden Rockstoff Ausschau zu halten. Ansonsten werde ich mich wohl doch dem Wickelkleid zuwenden.

Bis zum nächsten Treffen – ich sehe gerade, es ist schon am kommenden Sonntag – habe ich mich hoffentlich endgültig entschieden. Bedanken möchte ich mich schon mal bei Katharina von sewing addicted für die Organisation des Sew-Alongs. Und vor allem für die – wie ich finde – sehr lustigen Überschriften zu den einzelnen  Treffen, die viel Raum für Individualität lassen. Sie waren es, die mich letztendlich davon überzeugt haben, dass ich doch mitmachen will.

(Oh Gott – ich kann es kaum glauben, dass dieser Post jetzt wirklich online geht, mal sehen ob ich mich beim Sew Along überhaupt noch verlinken kann.)

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Shoppen in Schweden

Vor einiger Zeit war ich ja – wie schon erwähnt – in Schweden. Mein Eindruck ist, dass es dort eine ganz andere Second-Hand-Kultuer gibt als hier in Deutschland. Auch in vielen kleineren Städten und Ortschaften gibt es Second-Hand-Läden, oft von Vereinen oder Stiftungen, die das Geld für einen guten Zweck erwirtschaften.   Sehr verbreitet sind auch –  oft private – Flohmärkte, die dann meistens mit einem handgeschriebenen Schild am Straßenrand angekündigt werden. Einmal bin ich zum Beispiel auf einem solchen Loppis gelandet, der im Hinterzimmer eines Cafés stattfand, in dem wir zufällig Rast gemacht hatten. Deswegen wollte ich während meines Aufenthalts unbedingt auf solch einen Flohmarkt oder in einen Second-Hand-Laden, natürlich vor allem darauf aus, Stoffe zu finden. Ich hatte dabei vor allem an Bettwäsche, Tischdecken und Vorhänge gedacht, in denen noch ein zweites Leben als Kleidungsstück schlummert. Umso erfreuter war ich, als ich feststellte, dass es in dem Laden der Erikshjälpen, in den mich meine ortsansässige Freundin führte eine richtige kleine Handarbeitsabteilung gab. Mit Stoffen (sogar drei auf Ballen, leider alle nicht mein Fall), Garnen, Schittmustern, einer Kiste voller Knöpfen und allerlei anderem Nähzubehör. Meine Erwartungen wurden also mehr als erfüllt, die Ausbeute war groß:AusbeuteSchweden1 Vier Stück Stoff in unterschiedlichen Größen, aber immer mindestens ein Meter, zum Teil deutlich mehr, und nicht teurer als drei/vier Euro. Mein Favorit ist der mit dem wilden Blumenmuster, der angeblich sogar ein Wollstoff sein soll (ich tippe auf ein Gemisch, eventuell Wolle/Viskose). Aus dem schwarzen Stoff ist ja bereits das Kleid von hier entstanden.AusbeuteSchweden2Ein Paket mit Stoffresten, das ich vor allem wegen der zwei Stoffe mit graphischem Muster wollte. Der hellblaue ist ja ebenfalls schon im oben erwähnten Kleid vernäht. Außerdem diverse Knöpfe ein Webband und Schrägband.AusbeuteSchweden3Bettwäsche musste trotzdem auch noch mit. Und zwei 60er/70er-Jahre Schnittmuster, die mir vor allem wegen der Schlaghosen gefielen.

Ich mag diese Art Stoffe zu kaufen: Das eingeschränkte Angebot führt dazu, dass ich auch Stoffe in Betracht ziehe, die mir sonst wahrscheinlich gar nicht aufgefallen wären. Und die geringen Preise machen es mir einfacher, mich auf Experimente einzulassen. Den schwarzen Stoff zum Beispiel hätte ich sonst sicher nie gekauft. Das Kleid, das ich daraus genäht habe liebe ich und es ist das perfekte Winterkleid für „über die Hose“.  (Die rechte Seite macht visuell und haptisch einen recht synthetischen Eindruck, während die linke Seite wie Baumwollfrottee aussieht und sich auch so anfühlt). Wenn ich solch einen Laden in der Nähe hätte, wäre ich sicher jede Woche einmal da.

KSA – Finale

In den letzten Tagen habe ich mehrfach darüber nachgegrübelt, ob man am Finale teilnehmen darf, wenn man nichts Fertiges vorzuweisen hat. Catherine lädt ja heute gestern auf dem MMM-Blog zum finalen Treffen aller Kostüm-Näherinnen. Ihre Aussage „Egal, ob ihr heute ein fertiges Kostüm zeigt, oder nicht.“ habe ich jetzt einfach zu meinen Gunsten interpretiert. Außerdem konnte ich feststellen, dass auch andere Teilnehmerinnen noch nicht ganz fertig geworden sind. (Allerdings konnte ich niemanden entdecken, der so weit abgefallen ist wie ich.) Ich hatte ja bereits das letzte Treffen komplett geschwänzt, weil ich einfach nichts zu zeigen hatte, aber ich wollte auch nicht einfach sang- und klanglos aus dem Sew-Along verschwinden. Auch habe ich noch nicht aufgegeben – im Gegenteil: Ich bin wild entschlossen meine Lightversion eines Kostümes zu Ende zu bringen und im nächsten Sommer zu tragen. Deswegen gibt es hier und heute an dieser Stelle für mich leider noch kein Finale, sondern einfach nur den Stand der Dinge.

Zur Erinnerung: Ich hatte ein Probeteil meiner Jacke genäht und dabei festgestellt, dass die Passform nicht stimmt. Meine Überlegungen, wie ich den Schnitt wohl anpassen könnte, haben mehrere Wochen lang meine ganze Näh-Energie abgezogen und mich außerdem, da sie zu keinem Ergebnis führten, deprimiert. Die Lösung lag eigentlich auf der Hand, fiel mir dennoch erst ziemlich spät ein: Ich mußte einfach professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dies tat ich dann auch letzte Woche und siehe da: Es stellte sich heraus, dass die Änderungen, die ich bis dahin selbst am Schnittmuster vorgenommen hatte, gar nicht verkehrt – nein, sogar richtig gewesen waren. Unter Anleitung nähte ich ein zweites Probeteil aus Nesselstoff, an dem meine professionelle Hilfe dann noch einiges absteckte. Und das ist auch schon der Stand der Dinge und sieht – ungebügelt – so aus:

Nesseljacke1 Nesseljacke2

Von vorne schon deutlich besser, wie ich finde, hinten noch ganz schön murksig, was aber hoffentlich an ungebügelt und in der Mitte abgesteckt liegt. Meine Schneiderin sagt, dass wir die Passform aufgrund des Schnittes (fledermausartige Ärmel, für die es keine extra Schnittteil gibt, sondern die im Vorder- bzw. Rückenteil enthalten sind) nicht besser hinkriegen und ich glaube ihr das jetzt einfach mal. (Bin aber durchaus daran interessiert, wenn jemand anderer Meinung ist.)

Ich muss jetzt als nächstet die abgesteckten Änderungen noch auf das Schnittmuster übertragen. Außerdem ist ausgemacht, dass ich auch vom Oberteil des Kleides noch ein Probeteil nähe, damit auch dieses professionell begutachtet werden kann.

Auch wenn ich also noch kein fertiges Ergebnis und stattdessen noch einiges an Arbeit vor mir habe, finde ich doch, dass sich meine Teilnahme am Sew-Along gelohnt hat. Ohne den (das? wie heißt es denn eigentlich richtig?) KSA hätte ich das Projekt sicher noch gar nicht in Angriff genommen. Auch die Entstehung meines Blogs verdanke ich dem KSA. Ich habe einiges dazu gelernt – in erster Linie über Schnittanpassung. Und ich habe gesehen, dass ich, auch wenn ich noch sehr viel lernen muss, doch schon eine gewisse Routine beim Nähen entwickelt habe. Das Gefühl, mich gaaaaaaanz langsam aus der Anfänger-Ecke weg in Richtung „mäßig fortgeschritten“ zu bewegen erfüllt mich mit einer gewissen Befriedigung. Deswegen an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Catherine fürs Organisieren des Sew-Alongs und dafür, dass sie uns Teilnehmern immer wieder Mut zugesprochen hat. Ganz sicher, was dies nicht mein letzter Sew-Along. Über die Fortschritte mit meinem Kostüm werde ich Euch hier im Blog auf dem laufenden halten.