Archiv für den Monat Oktober 2013

MMM #1 – Sieht ja eigentlich gar nicht so schlecht aus

Kurze Vorbemerkung für alle Uneingeweihten: MMM ist die Abkürzung für Me made Mittwoch. Jeden Mitwoch gibt es hier ein virtuelles Treffen von Menschen (ja es sind ungefähr 99,9 % Frauen, aber ich habe dort erfreulicherweise auch schon Männer gesichtet), die ihre selbsgemachte Kleidung an sich selbst präsentieren und meist auch noch ein bißchen was dazu erzählen.

Und jetzt zum eigentlichen Text:

Bereits letzte Nacht begann ich den Post für den heutigen MMM zu schreiben. Er trug die Überschrift: „MMM #1 – Nähfrust und Trotz oder: Mein Feind – die Passform“ und liest sich so:
Nach dem letzten KSA-Treffen, war der Plan ja, mir ein (möglichst schnelles) Erfolgserlebnis zu verschaffen. Erst sah es auch ganz gut aus. Den Schnitt – Onion 2026 – hatte ich vor kurzem gekauft, in erster Linie, um Versandkosten voll auszuschöpfen. In Schweden hatte ich Stoffe erstanden (darüber will ich ich auch schon seit zwei Wochen schreiben), die für dieses Kleid ideal schienen. Eigentlich ging – für meine Begriffe – alles ungewöhnlich schnell voran – innerhalb weniger Tage war das Kleid fertig. Und sobald es fertig war, entdeckte ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Irgendwas ist mit dem Einsatz am Halsauschnitt schiefgelaufen, mir ist nicht ganz klar was. Es könnte sein, dass ich einfach nur auftrennen und neu zusammensetzen muss, es könnte aber auch sein, dass es etwas größeres ist. Das frustriert mich. Noch mehr frustriert mich der Halsausschnitt bzw. der Einsatz hinten zu groß ist und deswegen sich häßlich wölbt und absteht. Und – so viel glaube ich mit meinen Laienaugen erkennen zu können – dieses Problem hat auch nichts mit dem anderen zu tun, der Einsatz ist hinten einfach zu groß für mich, mit oder ohne Fehler. Ich bin SEHR frustriert: Warum kann es denn nicht einfach mal funktionieren, soll heißen ohne Fehler fertig werden UND passen? Gehört das zum Nähen dazu, ist das normal? Oder hab ich mir doch das falsche Hobby ausgesucht?

Und ich bin trotzig: denn ich trage mein falsch genähtes Kleid mit schlecht sitzendem Ausschnitt heute trotzdem. Denn eigentlich gefällt es mir doch ziemlich gut, die Stoffe, der Schnitt und auch die Passform, außer eben der hinteren Halsausschnitt.“

Heute morgen zog ich mir dann das Kleid an, sah in den Spiegel, erblickte ungefähr dies:IMG_1706

und dachte: „Sieht doch gar nicht so schlecht aus! Ja mit dem Halseinsatz stimmt irgendwas nicht, aber fällt das überhaupt jemandem auf, außer mir? Als tragbares Probekleid geht das allemal durch.“ Als Kind B (7Jahre) bei meinem Anblick dann noch bewundernd ausrief „Hast du das selbst genäht? Das sieht ja geil aus“ war ich endgültig mit meinem Kleid versöhnt. Vor kurzem habe ich ja via Lucy von Nahtzugabe diese Grafik gefunden und bei mir trifft das mit dem ersten Kompliment sogar zu, wenn es vom eigenen Kind im Grundschulalter kommt.

Das Kleid hatte ich den ganzen Tag an, es trägt sich angenehm und ist definitiv alltagstauglich. Aus Stoffmangel, aber auch, weil ich (noch?) bekennende Hosenträgerin bin und etwas für „über die Hose“ wollte, habe ich Modell D in Tunikalänge genäht. Aber bereits beim Zuschneiden war mir klar, dass es auch einige cm mehr sein könnten. Diese waren aber beim besten Willen nicht aus dem Stoff rauszuholen. Deswegen ist das Kleid auch noch nicht gesäumt. Die aktuelle Länge ist eigentlich optimal, deswegen überlege ich, ob ich gar nicht säume, sondern nur die Kante mit der Overlock versäubere. Dazu fehlt mir noch schwarzes Overlockgarn, deswegen ist das noch nicht erledigt. Ich weiß allerdings nicht genau, wie praxistauglich das ist.

Ich habe das Kleid heute über einer schwarzen Hose getragen, bin aber für das Fotoshooting in olle Jeans geschlüpft, einfach damit das Kleid besser zu erkennen ist. Schwarz ist ja sowieso immer problematisch. (Schöne und gut sitzende Hosen nähen zu können zählt übrigens zu einem meiner größten Nähziele, wird aber vermutlich noch ein paar Jahre dauern…). Die gute Lebenshilfe hat es geschafft auch bei widrigsten Lichtverhältinssen zwei halbwegs brauchbare Fotos zu machen. Deswegen hier auch noch das zweite:

IMG_1705

Wie schon gesagt: Das ist ja mein erster MMM und ich kann mich noch in jeder Hinsicht steigern. Den Schnitt nähe ich auf jeden Fall noch mal und dann kriege ich das auch mit dem Halseinsatz hin.

(Im Laufe des Tages ist mir übrigens aufgefallen, dass mein Trotz auch noch aus einer anderen Ecke kommen könnte. Nämlich aus dieser: „Ich will jetzt endlich auch mal beim MMM mitmachen (stampft mit dem Fuss)“.)

KSA 3 – Leider nix

Bereits beim letzten KSA-Treffen, als sich meine Passform-Probleme mit der Jacke herauskristallisierten, war mir klar, dass ich ins Hintertreffen geraten würde. Zwischen dem letzten Termin und heute sollte eine Steuererklärung fertig werden (hat nicht geklappt), wollte ich fünf Tage nach Schweden fahren (hat geklappt) und am Brückentag hatte die Lebenshilfe Geburtstag (wurde ausgiebig gefeiert). Keine Zeit also für praktisches Nähen, nur für theoretische Auseinandersetzung mit der Schnittanpassung. Leider ohne endgültiges Ergebnis. Ehrlich gesagt bin ich etwas deprimiert. Ich glaube ich muss jetzt erst mal irgendetwas einfaches nähen, ein Jersey-Teil oder was für die Kinder, damit ich zu einem (schnellen ?) Erfolgserlebnis komme. Das Blöde ist ja, dass ich nicht mal einfach zuerst den Rock nähen kann, denn mein Rock ist ja ein Kleid und ich fürchte, da werde ich genau die gleichen Probleme mit der Passform haben, wie bei der Jacke. (Mehr zum Schnitt hier.)

Aufgeben will ich noch nicht, aber ob es mir gelingen wird noch aufzuholen? Ich will mal sehen, was sich machen läßt. Beim heutigen Treffen aller KSA-Mitstreiterinnen auf dem Me-made-mittwoch-blog ruft ja auch Catherine dazu auf, nicht zu verzagen, auch wenn das eigentliche Zwischenziel noch nicht erreicht ist. Dort habe ich auch bereits festgestellt, dass es noch einige andere gibt, die mit diversen Problemen kämpfen und ihre Jacken noch nicht fertig haben. Alleine das motiviert mich schon wieder, weil es mir das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein. Hoffentlich geht es den anderen auch so und am Ende können wir uns alle über ein fertiges Kostüm freuen.

Da es ja leider keinen Fortschritt zu dokumentieren gibt, hier noch mal die alten Fotos mit der schlechten Passform:

KSA2 Passform1 KSA2 Passform3

Zurück zum Stricken

Für diesen Herbst und Winter habe ich mir vorgenommen, mich wieder mehr mit dem Stricken zu beschäftigen. Zwar beherrsche ich die grundlegenden Techniken, aber richtig weit habe ich es bisher in dieser Disziplin noch nicht gebracht. Letzte Woche war ich auf Kurzurlaub in Schweden und die zweimal sechs Stunden Fähre-Fahren waren die optimale Gelegenheit mit meinem Strickvorhaben Ernst zu machen. Bereits vor  acht Jahren (ich weiß es genau, denn ich war mit Kind B schwanger) habe ich diese Wolle gekauft um Beinstulpen daraus zu stricken:
Wolle

Ich hatte damals auch damit angefangen, dann aber wieder aufgeribbelt, an Details kann ich mich nicht mehr erinnern.

Erstaunlich genug, dass die Wolle noch nicht von den Motten zerfressen wurde. Noch erstaunlicher fand ich allerdings, dass ich in der knappen halben Stunde, die ich zum Packen kalkuliert hatte, sowohl die Wolle als auch das passende, komplette Nadelspiel finden konnte.

Noch während ich auf den Bus wartete, der mich zum Schiff bringen sollte, konnte ich erleichtert feststellen, dass ich noch weiß, wie man Maschen anschlägt. Und noch bevor die Fähre ablegte, hatte ich eine Art Probestück fertig:Fähre

(Natürlich weiß ich, dass es sich hierbei nicht um eine korrekte Maschenprobe handelt, für meine Stulpen-Zwecke war es aber völlig ausreichend.)

Bei der Rückfahrt war ich dann leider etwas kränklich, so dass ich insgesamt nicht so viel geschafft habe, wie erhofft

.StrickenFortschritt1

Aber insgesamt bin ich zufrieden: Der Einstieg ist schon mal geglückt, jetzt muss ich nur noch dran bleiben. Das gute am Stricken ist ja, dass es sich sowohl in Gesellschaft als auch vor dem Fernseher praktizieren läßt.  Vor allem, wenn es sich um so was einfaches, wie diese Stulpen handelt.